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Hochburg - Kindheit und Ausbildung

Franz Xaver Gruber erblickte am 25. November 1787 im Haus Unterweizburg 9 ("Steinpointsölde") in der Innviertler Gemeinde Hochburg (Oberösterreich) das Licht der Welt. Im Taufbuch stehen die Vornamen "Conrad Xavier" eingetragen, die er später auf "Franz Xaver" abänderte. Das Geburtshaus, die Steinpointsölde, ist nicht mehr erhalten. Das an dessen Stelle errichtete Haus trägt eine Gedenktafel."Steinpointsölde", Hochburg (Oberösterreich)
Geburtshaus von Gruber (Stille-Nacht-Archiv, Hallein)

Franz Xaver Gruber
Gemälde von Sebastian Stief, 1846
(Stille-Nacht-Museum, Hallein)

Als fünftes von sechs Kindern der Leinweber Josef und Maria Gruber sollte er das Handwerk des Vaters erlernen. Sehr früh galt seine Liebe der Musik. Der Hochburger Schullehrer, Andreas Peterlechner, förderte diese Begabung und erteilte ihm Musikunterricht.

Bis zum 18. Lebensjahr war Gruber als Weber tätig. Er erhält dann aber die Zustimmung seines Vaters den Lehrberuf zu ergreifen. Zuerst vervollkommnete er seine musikalische Ausbildung beim Stadtpfarrorganisten von Burghausen, Georg Hartdobler.

Bei Peterlechner erwarb er sich die Grundlagen für das Schulfach und legte 1806 in Ried im Innkreis die nötigen Prüfungen (Volksschullehrer) ab. Zur Erlangung der nötigen Praxis arbeitete Gruber als Schulgehilfe, ebenfalls bei Peterlechner.

Arnsdorf und Oberndorf Lehrer, Mesner und Organist, "Stille Nacht!"

Nach Überwindung einiger bürokratischer Schwierigkeiten trat Gruber 1807 seine Stelle als Lehrer, Mesner und Organist in Arnsdorf an. Das offizielle Ernennungsdekret ist mit 12. November 1807 datiert. Bereits im Juli ehelichte er die Frau seines verstorbenen Vorgängers, Maria Elisabeth Engelsberger (geb. Fischinger). Mit ihr hatte er zwei Kinder, die im Kindesalter verstarben. Im Jahre 1816 übernahm Gruber auch den Organistendienst in der neu entstandenen Pfarre Oberndorf. In der Folge hatte er den Wunsch dort Lehrer und Organist zu werden, was allerdings nie in Erfüllung ging. Grubers Tätigkeiten als Lehrer, Organist und Mesner prägten seinen Alltag. Der Schulbesuch der Kinder war mäßig, da die Bauern ihren Nachwuchs lieber zu Hause zur Arbeit behielten.

Die Schule galt in einem Schulbericht von 1821 als die beste im ganzen Bezirk, da die Kinder in "bewunderungswürdiger Fertigkeit" antworteten.Kirche und Schulhaus, Arnsdorf (Gemeinde Lamprechtshausen)
Wohnort Grubers 1807 bis 1829

Einen Glanzpunkt in seiner Zeit in Arnsdorf stellte das Jahr 1818 dar, als er den musikalischen Teil des Weihnachtsliedes "Stille Nacht! Heilige Nacht!" komponierte und gemeinsam mit Joseph Mohr in der Oberndorfer St. Nikolaus Kirche uraufführte. Das Lied bezeichnete Gruber als "eine einfache Komposition" und er schien ihm keine besondere Bedeutung beizumessen.

Der Höhepunkt seines Schaffens in Arnsdorf war das 300jährige Jubiläum der Wallfahrtskirche "Maria im Mösl", das 1820 gefeiert wurde. Das fünf Tage dauernde Fest zählte 20.000 Besucher. Die Äbte des Klosters Michaelbeuern, dem die Kirche unterstand, und St. Peter lauschten den Darbietungen des Orchesters unter der Leitung von Gruber. Danach kehrte wieder der Alltag ein. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1825 heiratete er seine ehemalige Schülerin, Maria Breitfuß. Mit ihr lebte er fünfzehn Jahre zusammen. Der Ehe entstammten zehn Kinder, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten. Da es Gruber nicht gelang nach Oberndorf versetzt zu werden und es zu Unstimmigkeiten mit seinem Dienstherren kam, verläßt er 1829 Arnsdorf und Oberndorf.

Berndorf (1829-1835)Mesnerhaus in Berndorf, 1953 abgerissen
Hier wohnte Gruber 1829 bis 1835

Gruber wurde 1829 Lehrer und Mesner in Berndorf b. Salzburg. Eine neue Schule, 130 schulpflichtige Kinder und eine Gemeinde, die Wert auf gute Kirchenmusik legte, warteten auf ihn. Der Wunsch sein Leben ganz der Musik zu widmen und die Aufforderung des Halleiner Dechanten, sich um die frei gewordene Stelle eines Chorregenten in der dortigen Pfarrkirche zu bemühen, hatte seine Bewerbung um dieses Amt (1833) zur Folge.

Hallein - Leben für die MusikGrubers Grabstätte im Sommer, Hallein

Seine Ernennung zum Chorregenten, Choralisten und Organisten der Pfarrkirche von Hallein erfolgte 1835. Hallein war auch damals die zweitgrößte Stadt Salzburgs und hatte zirka 3500 Einwohner. Mit Eifer trieb Gruber die Ausbildung des Kirchenchores voran. Sänger und Musiker mußten herangebildet werden. Im Laufe der Jahre (um 1849) übernahm Gruber die Verwaltung der zahlreichen Stiftungen, die im Pfarrhof anlagen.

Im Jahre 1841 starb Grubers zweite Frau bei der Geburt ihres letzten Kindes, das gleichfalls den Tod erlitt. Aus der Verlassenschaftsabhandlung erhalten wir Einblick in seine Wohnverhältnisse. Die Wohnung lag im ersten Stock und hatte ein Wohnzimmer, ein Kinderzimmer, zwei Küchenräume und einen Dachbodenraum. Die Einrichtungsgegenstände waren einfache Biedermeiermöbel und Bauerntruhen. Vieles weist auf die bäuerliche Herkunft seiner Frau hin, wie Mehltruhen, irdenes Küchengeschirr, Strohsäcke und grobes Bettzeug. Seine dritte Ehe ging Gruber 1842 mit der Witwe eines Schuhmachermeisters und Freundin seiner zweiten Gemahlin, Katharina Wimmer, ein.

Zeit seines Lebens wirkte Gruber an musikalischen Veranstaltungen auch außerhalb von Hallein mit. Er schuf ein umfangreiches musikalisches Werk. Seine Familie unterstützte sein Wirken - so gründete sein älterer Sohn, Franz, 1847 einen Gesangsverein und 1849 die Halleiner Liedertafel. Als Gruber die 60 überschritten hatte, scheint seine Schaffenskraft langsam nachgelassen zu haben. Er stirbt am 7. Juni 1863 im Alter von 76 Jahren an Altersschwäche. Sein zweitgeborener Sohn, Felix, folgte ihm als Halleiner Chorregent nach.Gruber-Grab, Hallein

Literatur:

Mühlmann, Josef: Franz Xaver Gruber. Sein Leben.- Salzburg 1966.
Gehmacher, Max: Stille Nacht, heilige Nacht! Das Weihnachtslied - wie es entstand und wie es wirklich ist.- Oberndorf 1988 (erw. Neuauflage).
Franz Xaver Gruber (1787-1863). Thematisch-systematisches Verzeichnis der musikalischen Werke (GWV). Im Auftrag der Stille-Nacht-Gesellschaft vorgelegt von Thomas Hochradner (Reihe: Veröffentlichungen zur Salzburger Musikgeschichte, Band 1).- Bad Reichenhall 1989.