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Stille-Nacht-Gesellschaft für differenzierteres Bild von Joseph Mohr:

Gleichzeitig mit Beschwerden über Mohr erfolgte seine Berufung als Fastenprediger im Salzburger Dom!

"Es ist an der Zeit, das landläufige Bild von Joseph Mohr, dem Textdichter des Weihnachtslieds 'Stille Nacht, heilige Nacht!', zu korrigieren: Er kam ohne Zweifel aus sehr einfachen Verhältnissen, er zeigte in Wagrain ab 1837 sicher hohes soziales und gesellschaftliches Engagement. Man kann ihn aber nicht einfach als 'Sozialrebell' abtun!" betont der Präsident der Stille-Nacht-Gesellschaft, Michael Neureiter: "Joseph Mohr muss differenzierter gesehen werden!"

Neureiter erwähnt einen interessanten Gegensatz aus der Zeit des erstmaligen Singens des Weihnachtslieds in Oberndorf im Jahr 1818: "Einerseits gibt es Beschwerden seines Vorgesetzten Georg Heinrich Nöstler beim Konsistorium in Salzburg, andererseits rufen ihn die Verantwortlichen des Salzburger Doms genau in diesen Monaten als Fastenprediger in den Dom, und zwar gemeinsam mit hochrangigen Klerikern! Wenn man die Beschwerden über Mohr recht ernst genommen hätte, hätte man ihn wohl kaum als Fastenprediger berufen?"

Der Präsident der Stille-Nacht-Gesellschaft verweist zu dieser Auszeichnung des 27jährigen Mohr auf den Beitrag Hans Spatzeneggers "Joseph Mohr - Fastenprediger im Salzburger Dom 1819", der in den "Blättern der Stille-Nacht-Gesellschaft, Ausgabe 48 aus 2009" erschienen ist:

" ...So war im 'Kaiserlichen Königlichen Österreichischen Amts- und Intelligenzblatt von Salzburg' vom 19. Februar 1819 das Verzeichnis der Fastenprediger in der Domkirche 'eingerückt':

Neben dem damaligen Subprior P. Aloys Stubhahn OSB vom Kloster St. Peter, dem Kapuziner-Quardian P. Bonus und P. Werigand Rettensteiner, Chorregent von Michaelbeuern und mehrfacher Textdichter für seinen Freund Johann Michael Haydn, wird darin auch 'Herr Joseph Mohr, Koadjutor zu Österreichisch-Laufen' angeführt. Er sollte die Homilie am Dienstag, 16. März 1819, halten.

Daraus kann geschlossen werden, dass der Dichter des 'Stille Nacht-Liedes' nicht nur als wortgewaltig und theologisch versiert galt, sondern auch - im Hinblick auf die übrigen 'Fastenprediger' - in der Diözesanzentrale nicht so schlecht 'angeschrieben' sein konnte, wie die meisten Biographen aufgrund der Beschwerden seines Oberndorfer Chefs anzunehmen geneigt sind.

Der missgünstige Pfarrprovisor Georg Heinrich Nöstler hatte ja Mohr ... auch in der Salzburger Zentrale wegen dessen Lebenswandels und wegen dessen fehlenden Fleißes im Studium wie in der Seelsorge angeklagt - Joseph Mohr singe 'oft nicht erbauliche Lieder' - ohne den vorgesetzten Dechant in St. Georgen - wie man weiß - und die Salzburger Zentrale - wie man aus dieser ehrenden Einladung zur Fastenpredigt im Dom ersehen kann - nachhaltig zu beeindrucken.

Zwar gibt es Hinweise aus späterer Zeit, dass Mohr gelegentlich 'kein dem Priesterstande angemessenes Betragen beobachtet habe. Damit wird insbesondere auch seine Vergebungsbitte an Erzbischof Augustin Gruber vom 25. Februar 1828 zu tun haben bzw. seine Versetzung nach Hintersee.

Aber seine Jahre in 'Österreichisch-Laufen' (1817-1819 ) sind dafür sicher nicht ursächlich gewesen!"


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