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1914: "Stille Nacht" - Friedenslied im Schützengraben

Der Verein Stille Nacht Museum Arnsdorf möchte mit seiner aktuellen Ausstellung auf ein Ausnahme-Ereignis, das pazifistische "Wunder der Verbrüderung", das etwa fünf Monate nach Ausbruch des 1. Weltkrieges geschah, aufmerksam machen, zumal das damals schon europaweit bekannte Weihnachtslied von Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr "Stille Nacht, heilige Nacht" dabei auch eine Rolle spielte.

Diese legendäre Kriegsweihnacht fand unter Tausenden Soldaten verschiedener Nationen in den Schützengräben an der Westfront statt, entlang einer etwa 50 km langen Kampflinie in Ypern / Flandern und Umgebung. Über eine Million Soldaten waren bis dahin allein an der Westfront gefallen oder verwundet worden.

Nur ein paar Tage vor Weihnachten standen die verfeindeten Heere noch im gegenseitigen Angriff und beschossen sich. Am 24. Dezember 1914, dem Vorabend des Weihnachtsfestes, wurde es still, unzählige Soldaten besannen sich des feierlichen Rituals. Viele hatten ein kleines Christbäumchen von ihrer Familie an die Front geschickt bekommen, ein paar Soldaten, es ist historisch belegt, stellten das kleine, leuchtende Bäumchen auf den oberen Rand des Schützengrabens - wie ein Zeichen des Friedens.

Die Soldaten unterschiedlicher Nationen legten ihre Waffen und Helme nieder, stimmten Weihnachtslieder an, in ihrer jeweiligen Muttersprache, darunter auch "Stille Nacht, heilige Nacht". Es war ein Ausnahmezustand, der sich an der Westfront ereignete; in Folge wurde die Verbrüderung bei Todesstrafe verboten.

Die Schau im Stille Nacht Museum Arnsdorf zeigt Zeugnisse aus dieser Zeit: illustrierte Weihnachts-Feldpost, versehen mit dem Liedtitel "Stille Nacht, heilige Nacht", Requisiten aus dem Krieg, darunter eine kostbare preußische Pickelhaube aus der renommierten Sammlung H. Hinterstoisser, patriotischer Christbaumschmuck aus 1914 u.v.a.. Außer den museumseigenen Exponaten stammen einige aus den Stille Nacht Orten Mariapfarr (Privatsammlung R.u.W. Prosinger) und Oberndorf. Von der Westfront wird der Bogen zu Erinnerungsobjekten von Kriegsteilnehmern aus Arnsdorf gespannt.

Das Highlight der Ausstellung ist ein berührender Videoclip zum Thema, den der engagierte Hobbyfotograf und -filmer Hubert Kunzier großzügig für das Museum produzierte. Er ist inmitten der Installation eines geflochtenen Schutzwalls, den die beiden Staffl-Schwestern aus Lamprechtshausen und Laufen routiniert im Museum errichteten, zu sehen.

Bei der Eröffnung der Ausstellung am 25. Oktober 2014 nannte der Flachgauer Bezirkshauptmann Reinhold Mayer die Ausstellung ein "interessantes und gewagtes Zeichen" der Erinnerung an einen "Akt der Freundschaft, der Solidarität, des Friedens im Schützengraben". Zur Zeit der Entstehung des Lieds (1818) sei Europa gerade neu geordnet worden, vor hundert Jahren 1914 habe das "Pulverfass Europa" wiederum seine neuerliche Transformation begonnen.

Ausstellungsdauer: bis 11.1.2015
Freitag, Samstag, Sonntag: 14 bis 17 Uhr
Im Advent: täglich von 14 bis 17 Uhr

Hiltrud Oman


Weitere Informationen finden Sie unter Stille Nacht Museum Arnsdorf.

Programm der Eröffnung vom 25. Oktober 2014


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