Publikationen bestellen

Vor 200 Jahren: Joseph Mohr zum Priester geweiht

Trotz seines jugendlichen Alters von nicht ganz 23 Jahren wurde am 21. August 1815 Joseph Mohr im Virgil-Oratorium des Salzburger Doms mit neun anderen Weihekandidaten zum Priester geweiht. Am 11. Dezember 1792 geboren, hatte er das damals vorgeschriebene Alter von 25 Jahren noch längst nicht erreicht und brauchte eine Dispens. Die Weihe erfolgte durch den Passauer Weihbischof Karl Kajetan von Gaisruck - der erzbischöfliche Stuhl war in der "bischoflosen Zeit" bis 1823 verwaist.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Salzburg (ab 1799) besuchte Mohr von 1808 bis 1810 das Lyzeum in Kremsmünster und verdiente sich einen Teil seines Unterhalts als Sänger und Instrumentalist der Salzburger Universität, der Erzabtei St. Peter bzw. der Stiftsmusik Kremsmünster. 1811 trat er in das Salzburger Priesterseminar ein. Seine theologischen Studien schloss er im August 1814 ab. Die Beurteilung ergab das Bild eines überdurchschnittlich begabten und überaus fleißigen Absolventen mit vorzüglichem Betragen - ein Studium in Rekordzeit.

Am Tag nach der Priesterweihe informierte das erzbischöfliche Konsistorium das Pfarramt Mariapfarr, dass Mohr dort seinen ersten Dienst als Koadjutor, als Hilfspriester, antreten werde. Ein Aufenthalt in Ramsau bei Berchtesgaden führte zu einer kurzfristigen vorläufigen Verpflichtung dorthin und kurz darauf noch 1815 zum Dienstantritt in Mariapfarr, wo er 1816 den Text zu "Stille Nacht!" schrieb. Ab 1817 war er in Oberndorf tätig, wo am Heiligen Abend 1818 das Lied "Stille Nacht" erstmals erklang, das am Nachmittag Franz Xaver Gruber zu Mohrs Gedicht komponiert hatte.

Die "bischoflose Zeit" war von einem erschütterten Kirchenbild geprägt, das natürlich auch Auswirkungen auf das Selbstverständnis der Geistlichkeit hatte, stellte Hans Spatzenegger fest.

Die Jahre der Priesterweihe und der ersten Seelsorgerjahre Joseph Mohrs waren auch Jahre globaler Klimaveränderungen: Im April 1815 brach in Indonesien auf der Insel Sumbawa der Vulkan Tambora aus und führte zu enormen Opferzahlen und Auswirkungen auch auf das europäische und nordamerikanische Wetter - 1816 wurde zum "Jahr ohne Sommer". Tambora führte zur schlimmsten Hungersnot des 19. Jahrhunderts!

Das Tambora-Ereignis wirkte sich wohl auch im Salzburger Land aus, das gerade kritische Zeiten von den Napoleonischen Kriegen bis zu den Folgen des Wiener Kongresses hinter sich hatte? Zahlreiche europäische Staaten erlebten nach Tambora Ernteausfälle, Hungersnöte und Wirtschaftskrisen, in der Schweiz musste der Notstand ausgerufen werden.


Zurück zur Übersicht