19. November 2018
14 Dienstorte und 16 „Lebensorte“ des Textdichters

Joseph Mohr als Hilfspriester 1821/22 in Vigaun, Adnet und Krispl

Nach seinen ersten Seelsorgseinsätzen in Ramsau bei Berchtesgaden, Mariapfarr, Oberndorf, Kuchl und Golling war Joseph Mohr 1821/22 Hilfspriester in Vigaun. Von hier aus war er in diesem Jahr auch als Aushilfe („Coadjutor“) in Adnet und Krispl tätig.

Joseph Dürlinger charakterisiert in seinem „Historisch-statistischen Handbuch der Erzdiöcese Salzburg“ im Heft „Decanat Hallein“, erschienen 1861, die Bevölkerung in Krispl, St. Koloman und in den „Bergparthien“ von St. Jakob, Adnet und Vigaun so: „In die von Haus aus einfache alte Weise mengen sich sehr bemerkbar mehr und mehr moderne sittliche und gesellige Elemente, welche man von den häufigen Besuchen der bereits mehr oder weniger fortschrittlichen größeren Orte der anliegenden Ebene heimbringt.“ Dürlinger nennt als Einwohnerzahlen für Krispl 571, für Adnet 1214 und für Vigaun 1212

Mesnerhäusl Vigaun

Das Mesnerhäusl in Vigaun dürfte bis zum Neubau der Volksschule am heutigen Platz im Jahr 1837 die Schule beherbergt haben. (Bild Stille Nacht Gesellschaft, Michael Neureiter)

Unterstützung des Pfarrvikars

„In dieser Region war Joseph Mohr ein Jahr im Seelsorgeeinsatz – als Hilfspriester in Vigaun: Die Aufgabe des ‚Coadjutors‘ war die Unterstützung des Pfarrers (hier durchwegs des Pfarrvikars), die Zuteilung erfolgte durch die Diözesanleitung.“ berichtet Michael Neureiter, Präsident der Stille Nacht Gesellschaft mit Wohnort Bad Vigaun. In diesem Jahr war in Vigaun Johann Cajetan Schmid sein Vorgesetzter, in Adnet war Mohr zur Aushilfe bei Pfarrvikar Joseph Keilhofer, in Krispl bei Pfarrvikar Andreas Bucher. In Vigaun gab es seit 1726 fast ohne Unterbrechung Hilfspriester, in Adnet mit Unterbrechungen, in Krispl keine.

Die Unterstützung des Pfarrvikars durch den/die Hilfspriester bestand in der Spendung der Sakramente und Sakramentalien wie Begräbnisse, Segnungen…. Eng mit der Seelsorge verbunden war auch die Schule: In Vigaun gab es 1861 107 „Wochenschüler“ und 30 „Feiertagsschüler“, in Adnet 115 und 48, in Krispl 95 und 25: Die „Feiertagsschüler“ besuchten die „Wiederholungsschule“ am Samstag bzw. Sonntag.

Die Sakramentenspendung war Aufgabe des Pfarrvikars, Hilfspriester kamen als Aushilfe zum Einsatz. Interessant, dass wir in den Tauf- und Trauungsbüchern von Vigaun 1821/22 keinen einzigen Eintrag des Coadjutors Joseph Mohr finden, wohl aber Einträge von Anton Wind, Hilfspriester in Vigaun, und von solchen aus Hallein.

In Adnet ist Joseph Mohr 1821/22 in einem Eintrag des Taufbuchs und in zwei Einträgen des Trauungsbuchs zu finden, jeweils mit seiner typischen schönen Handschrift.

„Ziemlich intensiv dürfte der Aushilfseinsatz Joseph Mohrs in Krispl im zweiten Halbjahr 1821 gewesen sein: Im Trauungsbuch ist Mohr drei Mal im September und November eingetragen. Im Taufbuch finden wir auf einer Seite von Juni bis Dezember 12 Taufen, die Mohr spendete, und nur zwei von Pfarrvikar Bucher. Mag sein, dass dieser erkrankt war? Ihm folgte schon anfangs 1822 ein anderer Pfarrvikar.“ ergänzt Neureiter.

Taufbuchkrispl

TaufbuchKrispl

Ein Ausschnitt des Taufbuchs 1821 von Krispl: In der Spalte ganz rechts scheint als Taufspender fünf Mal Josef Mohr und nur einmal Pfarrvikar Bucher auf. (Matricula Online)

Tafeladnet

Tafel Adnet

Die Adneter Tafel für Joseph Mohr nennt auch seinen zweiten Vornamen Franz und führt nur das Jahr 1821 an. Mohr war auch 1822 noch aushilfsweise für Vigaun, Adnet und Krispl tätig. (Bild Stille Nacht Gesellschaft, Michael Neureiter)

14 Dienstorte und 16 Lebensorte des Textdichters

Nach seinem einjährigen Dienst in Vigaun mit Adnet und Krispl wurde Mohr nach Anthering und Koppl, später nach Eugendorf und Hof versetzt. In Hintersee war er neun Jahre als Pfarrvikar tätig und in Wagrain bis zu seinem Tod 1848 elf Jahre. Weitere wichtige Orte im Leben Mohrs waren die Stadt Salzburg, wo er geboren und ausgebildet wurde, und Kremsmünster, wo er zwischendurch von 1808 bis 1810 studierte.

Dienstorte

Michael Neureiter mit einer Karte, die die 14 Dienstorte Joseph Mohrs im Berchtesgadener Land, im Lungau, Flachgau, Tennengau und Pongau zeigt. (Bild Stille Nacht Gesellschaft, Franziska Neureiter)


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